Vorwort
Pfarrbrief 1 2008.doc
Liebe
Mitchristen!
Am
Aschermittwoch ist alles vorbei, so heisst es in einem Karnevalsschlager.
Dann endet auch
so manch schöne Fassade. Wenn die Masken und Kostüme abgelegt werden, dann ist
es vorbei mit dem schönen Schein.
Hinter manch
strahlendem Fastnachtsprinzen, dem beim Umzug die Herzen der Frauen zugeflogen
sind, verbirgt sich schliesslich bei Licht besehen nicht anderes als ein ganz
normaler Mensch, und manche prachtvoll kostümierte Schönheit der Nacht entpuppt
sich am Aschermittwoch eben wieder als einfache graue Maus.
Das ist das
Problem mit den Verkleidungen und Maskeraden: man muss sehr aufpassen, dass man
nicht einfach auf den schönen Schein hereinfällt. Das aber nicht nur an
Karneval. Das ganze Jahr über muss man sich schliesslich davor hüten dem Schein
zu erliegen.
Jeder, der zum
Beispiel schon einmal Pralinen gekauft hat, kann ein Lied davon singen. Wenn
man die Verpackung, all das Papier und Plastik abzieht, dann bleibt für die
Schokolade meist nicht mehr viel übrig.
Das ist
offensichtlich. Doch fallen wir immer wieder darauf herein. Die Industrie weiss
darum nur zu gut. Sie weiss, dass Menschen sich immer wieder vom reinen Schein
blenden lassen. Sie macht ganz gute Geschäfte damit. So gute, dass sich wahrscheinlich
kaum jemand leisten kann, ein Produkt ohne vielversprechende Verpackung, ohne
ansprechendes Gehäuse, ohne entsprechenden Schein auf den Markt zu werfen.
Kein Wunder,
dass wir uns mit unserem Gott da manchmal schwer tun. Denn er gehört zu denen,
die dieses Verpackungsspiel nicht mitspielen. Er legt keinen Wert auf Schein.
Er braucht keine Maskerade und er gibt sich auch nicht mit irgendwelchen
Fassaden ab.
Es ist ab und zu
notwendig, wieder einmal daran erinnert zu werden, dass nicht die Glätte der
Haut und der makellose Teint über den Wert eines Menschen entscheiden, dass
nicht die volle Funktionsfähigkeit und wirtschaftliche Tauglichkeit die
Bedeutung menschlichen Lebens ausmachen und auch dass nicht Krankheiten und
Behinderungen darüber entscheiden, welches Leben sinnvoll und welches nicht
lebenswert geworden ist.
Die
Äusserlichkeiten, die zu unserem Leben gehören und es prägen, sind nicht unser
Leben. Sie sind sehr zerbrechliches Gefäss, ein Gefäss aber, in dem ein Schatz
ruht: jener Mensch, der von Gott geliebt und von diesem Gott zu einem ganz
besonderen Menschen gemacht worden ist.
Es ist gut, wenn
wir manchmal daran erinnert werden. Wir dürfen nicht verlernen, ab und zu
zweimal hinzuschauen, damit wir nicht bei den Äusserlichkeiten hängen bleiben,
damit wir Menschen nicht nach dem Schein beurteilen, sondern wirklich dahinter
blicken, auf das, was wirklich ist.
Nicht die
Verpackung macht den Wert aus. Verpackung ist nur Fassade, nur Schein, nur
Maskerade. Wie man sich in Maskeraden täuschen kann, das können wir in diesen
Tagen ganz besonders lernen.
Schauen wir
zweimal hin. Schauen wir hinter die Masken. Entlarven wir den falschen Schein.
Natürlich
entpuppt sich dann mancher Prinz lediglich als aufgeblasenes Landei, aber
solche Enttäuschungen sollten wir ruhig in Kauf nehmen.
Hinter mancher
Fassade, in manch zerbrechlichem Gefäss ruht noch so mancher unentdeckte
Schatz.
Hinter manch
hässlicher und furchterregender Hexenmaske verbirgt sich nämlich im Letzten ein
ganz anmutiges Gesicht.
Ihnen eine
schöne Zeit, Gottes reichen Segen wünscht Ihnen / Euch
Ihr / Euer
Pfarrer Reiner Gresch